Artikel » Der Einsatz von Filtern in der Landschaftsfotografie - Grauverlaufsfilter

In der Landschaftsfotografie ist der Einsatz verschiedener Filter sinnvoll. Dazu gehören reine Graufilter, die die Belichtungszeit erhöhen, Grauverlaufsfilter, die für eine ausgeglichene Belichtung zwischen Vordergrund und Hintergrund (Himmel) sorgen, und Polfiltern, die Farben verstärken und störende Reflexionen entfernen. In diesem Teil möchte ich den Grauverlaufsfilter und deren Wirkung anhand von Beispielen erklären, sowie Tipps zur Anwendung geben.

Grauverlaufsfilter

Auf vielen Fotos ist der Himmel überbelichtet oder der Vordergrund unterbelichtet. Dies liegt daran, dass der Dynamikumfang zwischen Vordergrund und Hintergrund (Himmel) zu groß ist (>16 Blenden). Moderne Kameras können hingegen nur einen Dynamikumfang von 10 bis 14 Blenden aufnehmen. Um ein korrekt belichtetes Foto zu erhalten, könnte man nun zwei Aufnahmen der Szene anfertigen: Eine, die den Himmel und eine, die den Vordergrund korrekt belichtet. Diese werden später mit einer Bildbearbeitungssoftware zu einem Foto zusammengesetzt (HDR oder Exposure Blending). Einfacher ist es jedoch, sogenannte Grauverlaufsfilter zu verwenden.

Grauverlaufsfilter sind oben abgedunkelt und werden zur unteren Seite transparent. Ein Grauverlaufsfilter wird nun so vor die Linse gehalten, dass der Himmel mit dem dunklen Ende überdeckt wird. In diesem Bereich wird weniger Licht durchgelassen, sodass ein ausgewogenes belichtetes Foto entsteht. Auf der folgenden Abbildung ist der Effekt eines Grauverlaufsfilters zu sehen. Ohne Einsatz des Grauverlaufsfilters (linkes Foto), ist der Himmel stark überbelichtet, während das Foto mit Grauverlaufsfilter korrekt belichtet ist (rechtes Foto). Den Unterschied kann man gut am Histogramm erkennen:

Aufnahme eines Bildes ohne und mit Grauverlaufsfilter
Ohne Grauverlaufsfilter Mit Grauverlaufsfilter

Ohne GrauverlaufsfilterMit Grauverlaufsfilter

Wahl des richtigen Verlaufsfilters

Verschiedene Hitech Filter Es gibt verschiedene Arten von Grauverlaufsfiltern. Diese unterscheiden sich in der Stärke und dem Verlaufstyp. Die Stärke wird in Blendenschritten angegeben und gibt an, um wieviele Blenden der dunkle Bereich abgedunkelt werden soll. Für die Stärke verwende ich in den meisten Fällen einen ND 0.9 Grauverlaufsfilter mit 3 Blendenstufen. Seltener einen Filter der Stärke ND 0.6 (2 Blendenstufen), da dieser meist zu schwach ist. Eine ND 1.2 (4 Blendenstufen) Filter wird meist nur benötigt, wenn direkt in Richtung der Sonne fotografiert wird. Falls der Dynamikumfang sehr hoch ist, kann man auch Filter kombinieren. Zum Beispiel ergibt ein ND 0.9 und ND 0.6 einen Filter der Stärke ND 1.5. Als Verlaufstyp gibt es Filter mit weichen (Soft Edge), harten (Hard Edge) und einem umgekehrten (Reverse) Verlauf. Filter mit einem harten Übergang sind nur sinnvoll, wenn der Horizont sehr gerade ist. Das ist insbesondere an Seen oder am Meer relevant. Der Reverse Grauverlaufsfilter wird nach oben wieder lichtdurchlässiger und verhindert, dass beim Sonnenaufgang oder -untergang der obere Teil des Himmels zu stark abgedunkelt wird. Auch dieser Filter ist aufgrund des unteren harten Verlaufes vorwiegend am Meer einsetzbar. Für alle anderen Anwendungsgebiete ist ein Filter mit weichem Verlauf am besten. Dieser dunkelt auch in den Himmel hervorstehende Objekte nicht zu stark ab. Die folgende Abbildung veranschaulicht unterschiedliche Stärken und Typen von Grauverlaufsfiltern:

Verschiedene Typen von Grauverlaufsfiltern
Filtertypen

Die folgenden Fotos, zeigen den Unterschied zwischen dem 0.9 Soft und 0.9 Reverse Filter. In diesem Fall ist der Reverse Filter aufgrund des geraden Horizontes perfekt geeignet und führt zu besseren Ergebnissen als der Soft Edge Filter:

Effekt Hitech Soft Edge Filter Effekt Hitech Reverse Filter

Hitech Soft Edge FilterHitech Reverse Filter

Einsatz von Grauverlaufsfiltern

Grauverlaufsfilter werden als ‚Schiebefilter‘ eingesetzt, da der Horizont nicht immer fest an einer Position ist. Die meisten Anbieter bieten Systeme an, bei denen zuerst ein Adapterring auf das Objektiv geschraubt wird. Auf diesen Ring wird der Filterhalter gesteckt, in dem dann ein oder mehrere Filter hineingesteckt werden können. Der Vorteil dieser Systeme ist, dass man für seine Objektive zwar je nach Filterdurchmesser unterschiedliche Adapterringe benötigt, dafür aber die Filter auf allen Objektiven einsetzten kann. Der Filter wird nun so in den Filterhalter geschoben, dass nur der Horizont mit dem dunklen Ende abgedunkelt wird. Die folgenden Bilder zeigen die einzelnen Komponenten eines Filtersystems und sowie einen montierten Filter:

Adapterring, Filterhalter und Grauverlaufsfilter Filtersystem an der Kamera

Adapterring, Filterhalter und GrauverlaufsfilterEin montiertes System im Einsatz

Welchen Verlaufstyp man einsetzt, richtet sich nach dem Motiv und die Stärke nach dem Dynamikumfang. Nach einer Zeit hat man ein Gespür dafür, welcher Filter für welche Situationen der richtige ist. An Anfang sollte man mit den verschiedenen Filtern möglichst viel experimentieren. Die optimale Stärke kann man sich auch ausrechnen, indem man die Zeit im TV-Modus fest einstellt und jeweils die optimale Blende für den Vordergrund und den Himmel misst. Der Unterschied der Blenden ergibt dann die richtige Filterstärke. Man kann die Filter auch schräg einsetzten, indem der Filterhalter gedreht wird. Viele Fotografen halten den Filter auch einfach mit der Hand vor das Objektiv, anstatt einen Filterhalter zu benutzen.

Grauverlaufsfilter kaufen

Grauverlaufsfilter werden unter anderem von Cokin, Hitech, Lee und Singh-Ray angeboten. Meist müssen diese im Ausland (England, USA) bestellt werden, da die Filter sehr speziell sind und in Deutschland leider nicht angeboten werden. Lee und Sing Ray Filter gelten als die besten am Markt, sind jedoch auch sehr teuer. Die Cokin Filter sind am günstigsten. Allerdings eigenen sich diese nicht, um direkt in die Sonne zu fotografieren und die Farben werden beim Einsatz zweier Filter oft leicht ins Magenta verschoben. Ein guter Kompromiss von Preis und Leistung stellen meiner Meinung nach die Hitech Filter da. Diese sind relativ erschwinglich und sehr gut.

Für den Anfang bzw. zum Ausprobieren empfehle ich sich erst einmal einen Filter der Stärke ND 0.9 mit weichem Übergang zu kaufen (falls man vorwiegend am Meer fotografieren möchte mit hartem Übergang). Das zugehörige System mit Adapterring und Filterhalter kann man vorerst weglassen und den Filter mit der Hand vor das Objektiv halten. Wenn einem die Filter gefallen, kann man sich anschließend ein komplettes System kaufen.

Die Größe der Grauverlaufsfilter sollte sich nach dem jetzigen System bzw. dem gewünschten Zukunftssystem richten. Filtersysteme unter einer Breite von 100mm eignen sich nur für APS-C Kameras. Für Vollvormat-Kameras ist wegen der größeren Objektive ein System mit 100mm Filterbreite erforderlich, damit keine Vignettierung entsteht. Systeme über 150mm werden vorwiegend für Ultraweitwinkelobjektive z.B. dem Sigma 8-16mm oder dem Sigma 12-24mm benötigt. Viele Hersteller bieten für das System auch passende Polfilter und Graufilter an. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die vier bekannten Hersteller:

Unterschiedliche Anbieter von Grauverlaufsfiltern
MarkeSysteme (Breite in Millimeter)Preis*Webseite
CokinA (67mm) / P (84mm) / Z (100mm) / X-Pro (130mm)20€ / 24€ / 50€ / 80€www.cokin.co.uk
Hitech85mm / 100mm / 165mm21€ / 42€ / 96€www.formatt.co.uk
Lee100mm70€www.leefilters.com
Singh RayP (84mm) / Z (100mm) / X-Pro (130mm)72€ / 115€ / 163€www.singh-ray.com
Tiffen100mm250€www.tiffen.com

*Durchschnittlicher Preis für einen Grauverlaufsfilter (Stand 03/2014, Angaben ohne Gewähr)

Von diesem Shops können Filter bezogen werden:
Teamworkfoto / Hitech, Lee / England » Teamworkphoto
Versandhaus Foto Müller / Cokin / Deutschland »Versandhaus Foto Müller


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