Michael Kirste Fotografie

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Fotoausrüstung für lange Wanderungen und Backpacking Trips

22. November 2018 in Backpacking, Fotoausrüstung, Landschaftsfotografie, Wandern, Tipps [0 Kommentare]

Als Landschaftsfotograf ist man oft in der Natur auf langen Wanderungen unterwegs. Viele interessante Gegenden sind zudem nur über ein- oder mehrtägige Backpacking Trips erreichbar, bei denen man neben der Fotoausrüstung auch Zelt, Schlafsack, Isomatte und Verpflegung mitnehmen muss. Daher ist eine möglichst leichte und kompakte, aber dennoch leistungsstarke und vor allem flexible Fotoausrüstung sehr wichtig. In diesem Artikel gebe ich Vorschläge für solch eine Ausrüstung und zeige, wie man das Gewicht in seinem Fotorucksack deutlich reduzieren kann.

Das Kamerasystem

Zunächst stellt sich die Frage nach dem Kamerasystem, den dieses bestimmt maßgeblich das Gewicht der kompletten Fotoausrüstung. Die wichtigsten Kameraysteme mit Sensorgröße von klein nach groß sind: Micro-Four-Thirds, APS-C/DX, Kleinbild (Vollformat) und Mittelformat. Generell sind Kamerasysteme mit kleineren Sensoren deutlich kompakter und leichter als Kamerasysteme mit größeren Sensoren. Das macht sich nicht nur bei den Kameras und Objektiven bemerkbar. Auch der Rest der Ausrüstung wie Filter fallen bei kleineren Kamerasystemen deutlich kleiner aus. Zudem reichen deutlich leichtere Stative und Kugelköpfe aus, um die Kamera zu tragen. Allerdings erkauft man sich die Gewichtsreduktion durch eine schlechtere Lowlight Performance (höheres Rauschen) und eine geringere Auflösung (Anzahl Megapixel). Inwieweit bzw. wie oft man die Performance von größeren Sensoren (in Extremsituationen) wirklich benötigt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Heutzutage kann man mit jedem Kamerasystem technisch einwandfreie Fotos aufnehmen.
Die spiegellosen Vertreter der Systeme haben zwar das Potential leichter als ihre DSLRs zu sein, jedoch wird dieser Vorteil von den Herstellern momentan kaum ausgenutzt. Zwar sind die Kameras selbst etwas kompakter und leichter, dafür wiegen die Objektive etwa gleich viel. Die geringe Gewichtsersparnis der Kameras wird meist durch die zusätzlich benötigten Batterien wieder zunichte gemacht.

Im folgendem gehe ich von einer Fotoausrüstung für das Kleinbildformat (Vollformat) aus. Die vorgeschlagenen Brennweiten für Objektive können natürlich in Systeme mit anderen Sensorgrößen umgerechnet werden (z.B. Brennweiten mit 1,6 für das APS-C Format multiplizieren). Da ich selbst mit Canon fotografiere, beziehen sich die konkreten Vorschläge auf das Canon EOS System.

Die Fotoausrüstung

Kamera und Objektive

Wenn man Gewicht sparen möchte, bleibt einem nichts anderes übrig als nur eine Kamera und maximal zwei Objektive mitzunehmen. Die zweite Ersatzkamera, das Makroobjektiv und das Super-Teleobjektiv müssen daher zuhause bleiben. Zunächst mögen zwei Objektive sehr einschränkend wirken, meist fördert das jedoch die eigene Kreativität. Nicht selten haben besonders erfolgreiche Fotografen ihre ganze Karriere über nur mit ein oder zwei Objektiven fotografiert. Mit den beiden folgenden Varianten wird man trotz der Einschränkungen über 95% aller Aufnahmesituationen gut abdecken können. Super-Zoomobjektive habe ich in der Betrachtung ausgeschlossen, da diese meist nicht sehr scharf sind und in den Randbereichen relativ starke Verzerrungen aufweisen.

Variante 1
  • Kamera (z.B. Canon EOS 6D Mark II (755kg) oder Canon EOS 5D Mark IV (890kg))
  • Weitwinkel- oder Superweitwinkelzoom (z.B. Canon EF 16-35mm f4 L IS USM (615g))
  • Telezoom (z.B. Canon EF 70-200mm f4 L USM (705g))
  • Optional: Standard Festbrennweite (Canon EF 50mm f/1.8 STM (160g))

Mit einer Kombination aus einem Weitwinkelzoom und einem Telezoom deckt man alle möglichen Anwendungsgebiete der Landschaftsfotografie ab und ist trotzdem sehr leicht unterwegs. Den Bereich zwischen 35mm und 70mm kann sehr gut mit Croppen und Panorama Techniken überbrückt werden. Ansonsten kann die Lücke mit einer 50mm Standard Festbrennweite geschlossen werden. Gerade die 50mm Festbrennweite ist im Kleinbildformat bei den meisten Herstellern sehr leicht und bietet zudem eine hohe Schärfe. Bei den Objektiven sollte man bevorzugt zu den Varianten mit größerer Blende (f4 vor f2.8) und ohne Bildstabilisator greifen, da diese bauartbedingt meist deutlich leichter sind. Insbesondere bei Teleobjektiv fällt die Gewichtsdifferenz sehr groß aus (+775g mehr für das Canon EF 70-200mm f/2.8L IS III USM). Da in der Landschaftsfotografie die meisten Aufnahmen sowieso mit dem Stativ aufgenommen werden, hat man mit langsameren Linsen ohne Bildstabilisator auch keine Nachteile. Anders sieht es natürlich aus, wenn man Aufnahmen bei Nacht vom Sternen machen möchte. In diesem Fall sollte man für das Weitwinkelzoom ein Objektiv mit kleiner Blende vorziehen. Insgesamt wiegt diese Kombination zwischen 2075g und 2370g.
Gewicht: 2075g bis 2370g

Variante 2
  • Kamera (z.B. Canon EOS 6D Mark II (755kg) oder Canon EOS 5D Mark IV (890kg))
  • Standardzoom (z.B. Canon EF 24-70mm f4L IS USM Lens (600g) oder Canon EF 24-105mm f4 L II IS USM (795g))
  • Weitwinkel Festbrennweite (z.B. Canon EF 14mm f/2.8L II USM (645g) oder Canon TS-E 17mm f/4L (820g))

Mit dieser Kombination muss man deutlich seltener das Objektiv wechseln, da das Standardzoomobjektiv sowohl den Weitwinkel-, den Standard- als auch den leichten Telebereich abdeckt. Zudem kann man für die Weitwinkel Festbrennweite auf besondere Objektive (mit z.B. Tilt-Shift Funktionen oder einer sehr kleinen Blende) zurückgreifen, die es für Zoomobjektive nicht gibt. Bei dieser Variante wiegt die Kameraausrüstung zwischen 2000g bis 2505g.
Gewicht: 2000g bis 2505g

  • Beispiel Kameraausrüstung Variante 1 (Quelle Produktfotos: Canon [1]) Beispiel Kameraausrüstung Variante 1 (Quelle Produktfotos: Canon [1])
  • Beispiel Kameraausrüstung Variante 2 (Quelle Produktfotos: Canon [1]) Beispiel Kameraausrüstung Variante 2 (Quelle Produktfotos: Canon [1])

Wenn man noch mehr Gewicht sparen möchte, kann man entweder nur ein Standardzoom Objektiv (24-70mm, 24-105mm) oder ein Weitwinkel-/Superweitwinkelzoom Objektiv (12-24mm, 16-35mm) in Kombination mit einer Standard Festbrennweite (50mm) mitnehmen. Diese beiden Möglichkeiten schränken den verfügbaren Brennweitenbereich deutlich stärker ein, sind aber in vielen Situationen mehr als ausreichend.

Filter
  • Polfilter (ca. 40g bis 60g)
  • Optional: Graufilter und Schutzfilter

Besonders in der Landschaftsfotografie ist ein Polfilter essentiell wichtig, um Reflektion auf Wasser oder Blättern zu entfernen. Auch Graufilter sind in bestimmten Situationen hilfreich (Erhöhung der Belichtungszeit für Langzeitbelichtungen bei Tageslicht), werden jedoch deutlich seltener gebraucht. Grauverlaufsfilter sind heutzutage nicht mehr notwendig, da der Dynamikumfang der Kameras mittlerweile sehr hoch ist. In Situationen mit sehr hohem Dynamikumfang (z.B. Gegenlicht) kann man stattdessen mehrere Aufnahmen mit unterschiedlich langen Belichtungszeiten aufnehmen und diese dann am PC mit Photoshop zusammensetzen. Zudem benötigt man zum Einsatz von Grauverlaufsfiltern neben dem eigentlichen Filter, Adapterringe und Filterhalter die zusätzlich das Gewicht erhöhen. Schutzfilter werden lediglich benötigt, wenn man seine Objektive vor Staub und Kratzern schützen möchte. Für jeden Filter muss man je nach Größe meist zwischen 40g und 60g rechnen. Auch wenn das nicht viel Gewicht ist, sollte man möglichst wenige Filter auf langen Wanderungen mitnehmen. Meiner Ansicht nach benötigt man heutzutage nur noch den Polfilter. Wenn alle Objektive den gleichen Filterdurchmesser haben, reicht zudem ein Polfilter aus. Ansonsten sollte man einen Polfilter für das Objektiv mit dem größeren Durchmesser einpacken und einen passenden Adapterring mitnehmen.
Gewicht: 50g

Stativ

Ein Stativ ermöglicht es dem Fotografen auch bei wenig Licht wie zum Beispiel während der Dämmerung scharfe Fotos aufnehmen. Da in der Landschaftsfotografie die meisten Fotos in der Zeit um den Sonnenaufgang/-untergang entstehen, darf ein Stativ unter den Ausrüstungsgegenständen auf keinen Fall fehlen. Das Stativ sollte einerseits nicht zu leicht sein, damit es bei Wind nicht umkippt oder zu starken Vibrationen führt; andrerseits darf das Stativ für lange Wanderungen nicht zu viel wiegen. Insgesamt sollte man darauf achten, dass das Gewicht des Statives mit Kugelkopf etwa im Bereich zwischen 1000g bis 1500g liegt. Dafür bieten sich generell Stative aus Carbon an, da diese deutlich leichter als Aluminiumstative sind und trotzdem sehr stabil sind.
Gewicht: 1000g bis 1500g

Zubehör

Als Zubehör sind Ersatz-Akkus und Speicherkarten unerlässlich. Während Speicherkarten kaum etwas wiegen, macht sich das Gewicht von Akkus schnell bemerkbar. Vor allem spiegellose Kameras benötigen deutlich mehr Energie. Je nachdem, wie viele Tage man ohne Strom unterwegs ist, sollte man 2-4 Ersatz-Akkus mitnehmen. Für meine Canon EOS 6D Mark II benötige ich pro Tag im Schnitt einen halben Akku und für meine Canon EOS 5DS R mindestens einen ganzen Akku. Auch Reinigungstücher und ein Blasebalg dürfen auf langen Wanderungen im Rucksack nicht fehlen.
Gewicht: 120g bis 210g

Fazit

Insgesamt kommt man somit im Kleinbildformat (Vollformat) bei Canon auf eine Fotoausrüstung mit einem Gewicht von ca. 3170g bis 4265g. Das ist zwar nicht ultraleicht, jedoch kann man mit diesem Gewicht längere Wanderungen oder Backpacking Trips unternehmen.

Meine aktuelle Fotoausrüstung für lange Wanderungen sieht wie folgt aus:

  • Canon EOS 5DS R (930g)
  • EF 16-35mm f4 L IS USM (615g)
  • EF 70-200mm f4 L USM (705g)
  • Gitzo Mountaineer-Stativ GT2532 (1670g) mit Cullmann MAGNESIT MB4.1 Kugelkopf (410g) und Novoflex Q=Mount Kupplungsplatte (138g)
  • B+W Polfilter (77mm, MRC Nano, XS-PRO digital) und zwei B+W Clear Filter (77mm, MRC Nano, XS-PRO digital) (120g)
  • 3 Akkus (135g)
  • Sonstiges (Speicherkarten, Reinigungstücher, Blasebalg) (30g)

Damit komme ich auf ein Gesamtgewicht von 4753g. Insbesondere beim Stativ mit Kugelkopf kann ich noch deutlich an Gewicht sparen.

Generell gilt: Weniger ist Mehr! Man sollte wirklich nur die Ausrüstungsgegenstände mitnehmen, die unbedingt notwendig sind. Auch sollte man die Einsparung von wenigen Gramm pro Gegenstand nicht unterschätzen. Zwar mag die Einsparung von 100-200g bei einem einzelnen Gegenstand nicht viel sein, allerdings summieren sich solche Einsparungen bei mehreren Gegenständen schnell zu einem Kilogramm auf. Und den Unterschied von einem Kilogramm mehr oder weniger auf den Schultern merkt man bei längeren Wanderungen und Backpacking Trips bereits deutlich. Natürlich kommt man mit der Gewichtsreduktion für ein Kamerasystem irgendwann an eine Grenze. Wer sehr lange Wanderungen unternimmt und das Gewicht deutlich reduzieren möchte, sollte sich daher Micro-Four-Third oder spiegellose APS-C Kamerasysteme anschauen.

Referenzen
[1] Canon Deutschland GmbH

Bei diesem Text handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der unbeabsichtigt eine werbende Wirkung haben könnte, ohne dass ich von einem Unternehmen dafür beauftragt wurde!

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