Michael Kirste Fotografie

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Mein fotografischer Workflow

7. Juni 2012 in Landschaftsfotografie, Tutorial, Workflow, Tipps [0 Kommentare]

In diesem Artikel beschreibe ich meinen fotografischen Workflow für die Landschaftsfotografie: Fotografieren, Aussortieren und Verwalten der Fotos und Bildbearbeitung. Für mich ist Landschaftsfotografie eine der größten Herausforderungen der Fotografie, denn viele Bedingungen wie das Wetter und das Licht sind im Gegensatz zur Studiofotografie nicht beeinflussbar. Des Weiteren hat man oft nur wenige Minuten Zeit, um die Landschaft im besten Licht zu fotografieren und bestimmte Stimmungen einzufangen. Die Landschaftsfotografie erfordert damit viel Planung und Vorbereitung, damit gute Fotos gelingen. Für ein perfektes Foto gehört jedoch immer auch ein bisschen Glück mit den richtigen Wetter- und Lichtverhältnissen dazu.

Landschaftsfotografie Bildbearbeitung Workflow Blaue Stunde Dynamikumfang Komposition Bildwirkung

1. Das Fotografieren

Bevor ich fotografieren möchte, stellen ich mir immer die gleichen 4 Fragen: Wo, Was, Wann und Wie.

Wo?

Für die meisten Leute gibt es zwei Möglichkeiten zum Fotografieren: Entweder in der Umgebung des eigenen Wohnortes oder auf Reisen. Der Vorteil beim Verreisen ist, dass man sich seine Ziele beliebig auswählen kann, während man Zuhause an die landschaftliche Umgebung des eigenen Wohnortes gebunden ist. Dafür kann man in der Umgebung des eigenen Wohnortes zu jeder Jahreszeit und jeden Wetterverhältnissen fotografieren, während man auf einer Reise die Zeit begrenzt ist. Beim Suchen nach interessanten Gegenden sind insbesondere Karten hilfreich, in denen Naturparks und Naturschutzgebiete eingetragen sind. Über Google Earth und Fotoplattformen wie 500px oder Flickr kann man sich vorab Bilder der Gegend anschauen, um einen groben Eindruck der Landschaft zu gewinnen.

Was?

Bei der Landschaftsfotografie reizt mich besonders, dass es unterschiedlichste Landschaftsarten gibt, die sich zudem während der Jahreszeiten sehr stark verändern. Zu den verschiedenen Landschaftsarten zählen unter anderem Wiesen, Wälder, Küsten, Berge, Seen und Flüsse. Jede Landschaftsart bietet ihre eigenen Motive und Reize, sodass sehr unterschiedliche Fotos entstehen.

Wann?

Wenn man schöne Landschaftsfotos aufnehmen möchte, spielt neben dem Ort das Licht die wichtigste Rolle. Das Licht ist meistens um die Zeiten des Sonnenaufgangs/-untergangs am schönsten. Fälschlicherweise denken viele Anfänger, dass ein blauer Himmel zur Mittagszeit die besten Voraussetzungen für ein gutes Foto bietet. Dies ist jedoch falsch, da zu dieser Zeit das Licht sehr hart ist. Morgens und abends wirft die tief stehende Sonne hingegen lange Schatten und die Sonnenstrahlen wirken sehr warm, sodass stimmungsvolle Fotos entstehen. Während der blauen Stunde ist das indirekte Licht aus der Atmosphäre besonders weich. Mit dem kostenlosen Programm The Photographer's Ephemeris kann man sich die Zeit und Richtung des Sonnenaufganges und des Sonnenunterganges für verschiedene Koordinaten und Zeiten anzeigen lassen. Des Weiteren hat das Wetter einen großen Einfluss auf Landschaftsfotos. Ein wolkenloser Himmel führt zu einer ruhigen Stimmung. Bei bewölktem Himmel wirken die Fotos dramatischer und mit etwas Glück glühen die Wolken zu Sonnenaufgang und Sonnenuntergang in schönen Farben. Schlechtes Wetter bei Stürmen erzeugt hingegen sehr spannende und dramatische Stimmungen. Im Herbst, wenn die Nächte kalt und die Tage warm sind, bildet sich oft Nebel, der für eine mystische Stimmung sorgt. Die Zeiten für das beste Licht bedeuten, dass man insbesondere im Sommer sehr früh aufstehen muss, wenn man morgens im besten Licht fotografieren möchte. Für mich lohnt sich jedoch die Anstrengung, da man fast immer mit schönen Fotos belohnt wird.

Wie?

Bei diesen Punkt unterscheide ich zwischen technischen und künstlerischen Aspekten:

Technische Aspekte: In der Landschaftsfotografie möchte man möglichst scharfe Fotos zu erhalten, in denen sowohl der Vordergrund als auch der Hintergrund scharf ist. Dafür muss die Blende weit geschlossen werden (große Blendenanzahl). Ich stelle die Blende meist zwischen acht und sechzehn ein. Höhere Blenden in Richtung 22 sind nicht zu empfehlen, da die Schärfe des Fotos ab Blende sechzehn spürbar leidet. Den ISO Wert (Lichtempfindlichkeit) stelle ich auf 100, damit das Bild möglichst wenig rauscht. Die hohe Blende und der niedrige ISO Wert führt in der Dämmerung zu langen Belichtungszeiten, sodass ein stabiles Stativ unbedingt notwendig ist. Des Weiteren muss der teils hohe Dynamikumfang berücksichtigt werden. Mit dem Dynamikumfang sind die Helligkeitsunterschiede zwischen dem hellsten und dunkelsten Bereich einer Szene gemeint. Selbst moderne Spiegelreflexkameras sind nicht in der Lage den hohen Dynamikumfang komplett abzudecken, insbesondere wenn man gegen das Licht fotografiert. Die Folge sind Bilder, in denen entweder der Himmel überbelichtet oder der Vordergrund unterbelichtet ist. Es gibt zwei Möglichkeiten, um dieses Problem zu umgehen: Entweder man macht zwei Aufnahmen der gleichen Szene, die jeweils den Himmel und den Vordergrund optimal belichten und fügt diese anschließend mit einem Bildbearbeitungsprogramm zusammen (manuell oder mit einem HDR-Tool). Alternativ kann man mit man Grauverlaufsfiltern fotografieren. Grauverlaufsfilter sind in der oberen Hälfte abgedunkelt und in der unteren Hälfte durchsichtig. Der Grauverlaufsfilter wird so vor das Objektiv gehalten, dass nur der Himmel abgedunkelt wird. Es gibt Grauverlaufsfilter mit unterschiedlichen Stärken und mit unterschiedlichen Übergängen zwischen dem hellen und dunklen Bereich (weicher/harter Verlauf). Ich bevorzuge den Einsatz von Grauverlaufsfiltern um den Dynamikumfang zu kontrollieren, weil man dabei das fertige Bild direkt im "Kasten" hat und die spätere Bildbearbeitung nicht so aufwendig ist.

Künstlerische Aspekte: Die technischen Aspekte (hohe Blende, kleiner ISO Wert, Stativ und Filter nutzen) ist mit etwas Übung leicht zu erlernen. Schwieriger sind hingegen die künstlerischen Aspekte. Darunter verstehe ich, wie man das Foto aufbaut (Komposition), was man mit dem Foto sagen möchte und welche Wirkung das Foto auf den Betrachter haben soll. Um eine gewünschte Bildwirkung zu erreichen, eignen sich verschiedenen Techniken wie die Dritte-Regel, Goldener Schnitt, interessante Objekte im Vordergrund, führende Linien, Symmetrie und Muster. Dabei sollte man mit verschiedenen Kamerastandpunkten und Perspektiven experimentieren, um das Motiv wie gewünscht darzustellen.

2. Aussortieren und Verwalten der Fotos

Nach einer Fototour schaue ich mir die Fotos in Canon Digital Photo Professional oder Lightroom an und lösche direkt Fotos, die mir von der Komposition/Perspektive nicht gefallen oder die technisch nicht gelungen sind (Unschärfe, Unter-/überbelichtet, ...). Ich lege für jeden Monat einen Ordner (ggf. mit Unterordnern für größere Fototouren) an, damit ich meine Fotos auch später schnell wiederfinden kann. Fotos die mir gefallen markiere ich mit Sternen.

3. Die Bildbearbeitung (Postprocessing)

Ich nehme meine Fotos grundsätzlich im RAW Format (Rohdatenformat) auf, sodass eine weitere Bildbearbeitung zwingend notwendig ist. Die RAW-Dateien werden auch als "digitale Negative" bezeichnet, da sie im Gegensatz zu JPEG-Dateien von der Kamerasoftware nicht vorbearbeitet werden. Der Vorteil der RAW-Dateien liegt auf der Hand: Anstatt der Kamera die Bearbeitung zu überlassen, kann ich alle Einstellungen selbst kontrollieren. Zur Bildbearbeitung nutze ich ausschließlich Adobe Photoshop CS5. Die Version CS5 bietet für Fotografen einige interessante Neuerrungen gegenüber den Vorgängerversionen. Dazu zählen unter anderem die automatische Objektivkorrektur sowie das Inhaltssensitive Füllen. Mein Ziel bei der Bildbearbeitung ist es, dass Foto so wiederzugeben, wie ich die Szene beim Fotografieren gesehen habe. Durch den Einsatz von Grauverlaufsfiltern beim Fotografieren reduziert sich der spätere Bearbeitungsaufwand deutlich, sodass ich für die meisten Fotos nicht länger als 5-10 Minuten benötige. Bei der Bildbearbeitung führe ich folgende Schritte durch:

  1. Foto in Lightroom oder Digital Photo Professional vorbereiten (Belichtung, Farbtemperatur, Farbton, Tiefen und Lichter)
  2. Automatische Objektivkorrektur (Verzerrungen korrigieren, Horizont begradigen)
  3. Auschnitt wählen
  4. Tonwertkorrektur
  5. Gradationskurven
  6. Farbsättigung und Dynamik
  7. Verkleinern und Schärfen

Bei vielen Schritten wende ich die Anpassungen lokal in ausgewählten Bereichen des Fotos an. Es ist zum Beispiel ratsam auf die Landschaft (Vordergrund) und dem Himmel jeweils eine eigene Gradationskurve anzuwenden. Der Bereich des Fotos, in dem eine Einstellungsebene wirkt, wird dabei über Masken gesteuert. Für das Schärfen und Verkleinern verwende ich eine spezielle mehrstufige Methode, um eine optimale Qualität zu erhalten.

Bei diesem Text handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der unbeabsichtigt eine werbende Wirkung haben könnte, ohne dass ich von einem Unternehmen dafür beauftragt wurde!

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