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Blog » Mein fotografischer Workflow

In diesem Artikel möchte ich Ihnen meinen Workflow über das Fotografieren, das Ausssortieren und Verwalten der Fotos und der Bildbearbeitung erklären. Dieser Workflow bezieht sich insbesondere auf die Landschaftsfotografie. Für mich ist Landschaftsfotografie eine der größten Herausforderungen in der Fotografie, denn viele Bedingungen wie z.B. das Wetter und das Licht sind im Gegensatz zur Studiofotografie nicht beeinflussbar. Des Weiteren hat man oft nur wenige Minuten Zeit, um die Landschaft im besten Licht zu fotografieren. Die Landschaftsfotografie erfordert damit viel Planung und Vorbereitung, damit gute Fotos gelingen. Für ein perfektes Foto gehört jedoch immer auch ein bisschen Glück mit dem richtigen Wetter und den richtigen Lichtverhältnissen dazu.

Landschaftsfotografie Bildbearbeitung Workflow Blaue Stunde Dynamikumfang Komposition Bildwirkung

1. Das Fotografieren

Bevor ich fotografieren möchte, stellen ich mir immer die gleichen 4 Fragen: Wo, Was, Wann und Wie. Im Folgenden möchte ich diese Punkte genauer erläutern:

Wo?

Für die meisten Leute gibt es zwei Möglichkeiten zum Fotografieren: Entweder in der Umgebung des eigenen Wohnortes oder auf Reisen. Der Vorteil beim Verreisen ist, dass man sich seine Ziele beliebig auswählen kann, während man an die landschaftliche Umgebung des eigenen Wohnortes gebunden ist. Dafür kann man in der Umgebung des eigenen Wohnortes zu jeder Jahreszeit und jeden Wetterverhältnissen fotografieren, während auf einer Reise die Zeit an einem Ort begrenzt ist. Beim Suchen nach interessanten Gegenden sind insbesondere Karten hilfreich, in denen Naturparks und Naturschutzgebiete eingetragen sind. Über Google Earth und Flicker kann man sich vorab Bilder der Gegend anschauen, um einen groben Eindruck des Ortes zu gewinnen.

Was?

Bei der Landschaftsfotografie reizt mich besonders, dass es unterschiedlichste Landschaftsarten gibt, die sich zudem während der Jahreszeiten sehr stark verändern. Zu den verschiedenen Landschaftsarten zählen unter anderem Wiesen, Wälder, Küsten, Berge, Seen und Flüsse. Jede Landschaftsart bietet ihre eigenen Motive und Reize, sodass sehr unterschiedliche Fotos entstehen.

Wann?

Wenn man schöne Landschaftsfotos aufnehmen möchte, spielt neben dem Ort das Licht die wichtigste Rolle. Das Licht ist am schönsten um die Zeiten des Sonnenaufgangs/-untergangs. Fälschlicherweise denken viele Anfänger, dass ein blauer Himmel zur Mittagszeit die besten Voraussetzungen für ein gutes Foto bietet. Dies ist jedoch falsch, da zu dieser Zeit das Licht sehr hart ist und die Fotos meist nur für Erinnerungen taugen. Morgens und abends wirft die tief stehende Sonne hingegen lange Schatten und die Sonnenstrahlen wirken sehr warm, sodass stimmungsvolle Fotos entstehen. Auch in der blauen Stunde entstehen oft sehr schöne Fotos. Mit dem kostenlosen Programm The Photographer's Ephemeris kann man sich die Zeiten und Positionen des Sonnenaufganges und Sonnenunterganges für verschiedene Koordinaten und Zeiten anzeigen lassen. Des Weiteren hat das Wetter hat einen großen Einfluss auf die Fotos. Bei bewölktem Himmel wirken die Fotos dramatischer und der Himmel färbt sich zu Sonnenaufgang und Sonnenuntergang in schönen Farben. Aber auch schlechtes Wetter wie Stürme erzeugt eine sehr gute Stimmung. Im Herbst, wenn die Nächte kalt und die Tage warm sind, bildet sich oft Nebel, der sehr mystische Bilder erzeugt. Die Zeiten für das beste Licht bedeuten, dass man insbesondere im Sommer sehr früh aufstehen muss, wenn man morgens im besten Licht fotografieren möchte. Für mich lohnt sich jedoch die Anstrengung, da man fast immer mit sehr schönen Fotos belohnt wird.

Wie?

Bei diesen Punkt unterscheide ich zwischen der technischen und künstlerischen Seite:

Die technische Seite: In der Landschaftsfotografie möchte man möglichst scharfe Fotos zu erhalten, in denen sowohl der Vordergrund als auch der Hintergrund scharf ist. Dafür muss die Blende weit geschlossen werden (große Blendenanzahl). Ich nutze meistens Blenden zwischen acht und sechzehn. Höhere Blenden in Richtung 32 sind nicht zu empfehlen, da die Schärfe des Fotos ab Blende sechzehn spürbar leidet. Den ISO Wert (Lichtempfindlichkeit) stelle ich auf 100, damit das Bild möglichst wenig rauscht. Die hohe Blende und der niedrige ISO Wert führt in den frühen Morgenstunden bzw. späten Abendstunden, in denen es relativ dunkel ist zu langen Belichtungszeiten, sodass ein gutes Stativ unbedingt notwendig ist. Des Weiteren muss der teils hohe Dynamikumfang berücksichtigt werden. Mit dem Dynamikumfang sind die Helligkeitsunterschiede zwischen dem hellsten und dunkelsten Bereich einer Szene gemeint. Selbst moderne Spiegelreflexkameras sind nicht in der Lage den hohen Dynamikumfang komplett abzudecken, insbesondere wenn man gegen das Licht fotografiert. Die Folge sind Bilder, in denen entweder der Himmel überbelichtet oder der Vordergrund unterbelichtet ist. Es gibt zwei Möglichkeiten, um dieses Problem zu umgehen: Entweder man macht zwei Aufnahmen der gleichen Szene die jeweils den Himmel und den Vordergrund optimal belichten und fügt diese anschließend mit einem Bildbearbeitungsprogramm (ggf. HDR-Programm) zusammen. Oder man arbeitet mit Grauverlaufsfiltern. Grauverlaufsfilter sind in der oberen Hälfte abgedunkelt und in der unteren Hälfte durchsichtig. Der Grauverlaufsfilter wird so vor das Objektiv gehalten, dass nur der Himmel abgedunkelt wird. Es gibt Grauverlaufsfilter mit unterschiedlichen Stärken und mit unterschiedlichen Übergängen zwischen dem hellen und dunklen Bereich (weicher/harter Verlauf). Ich bevorzuge den Einsatz von Grauverlaufsfiltern um den Dynamikumfang zu kontrollieren, weil man dabei das fertige Bild direkt im "Kasten" hat und die Bildbearbeitung in Adobe Photoshop nicht so aufwendig ist.

Die künstlerische Seite: Die technische Seite (hohe Blende, kleiner ISO Wert, Stativ und Filter benutzen) ist mit etwas Übung leicht zu erlernen. Schwieriger ist hingegen die künstlerische Seite. Darunter verstehe ich, wie man das Bild aufbaut (Komposition), was man mit dem Bild sagen möchte und welche Wirkung das Bild auf den Betrachter haben soll. Um eine gewünschte Bildwirkung zu erreichen, eignen sich verschiedenen Techniken wie die Dritte-Regel, Goldener Schnitt, Objekte im Vordergrund, Führende Linien, Symmetrie und Muster. Dazu sollte man mit verschiedenen Kamerastandpunkten und Perspektiven experimentieren, um das Motiv wie gewünscht darzustellen.

2. Aussortieren und Verwalten der Fotos

Nach einer Fototour schaue ich mir die Fotos in Adobe Bridge, Canon Digital Photo Professional oder Lightroom an und lösche direkt Fotos, die mir von der Komposition/Perspektive nicht gefallen oder die technisch nicht gelungen sind (Unschärfe, Unter-/überbelichtet, ...). Ich lege für jeden Monat einen Ordner ggf. mit Unterordnern für größere Fotoprojekte/-touren an, damit ich meine Fotos auch später schnell wiederfinden kann. Fotos die mir technisch und künstlerisch gefallen markiere ich mit Sternen.

3. Die Bildbearbeitung (Postprocessing)

Ich nehme meine Fotos grundsätzlich im RAW Format (Rohdatenformat) auf, sodass eine weitere Bildbearbeitung zwingend notwendig ist. Die RAW-Dateien werden auch als "digitale Negative" bezeichnet, da sie im Gegensatz zu JPEG-Dateien von der Kamerasoftware nicht vorbearbeitet werden. Der Vorteil der RAW-Dateien liegt auf der Hand: Anstatt der Kamera die Bearbeitung zu überlassen, kann ich alle Einstellungen selbst kontrollieren. Zur Bildbearbeitung nutze ich ausschließlich Adobe Photoshop CS5. Die Version CS5 bietet für Fotografen einige interessante Neuerrungen gegenüber den Vorgängerversionen. Dazu zählen unter anderem die automatische Objektivkorrektur sowie das Inhaltssensitive Füllen. Mein Ziel bei der Bildbearbeitung ist es, dass Foto so wiederzugeben, wie ich die Szene beim Fotografieren gesehen habe. Durch den Einsatz von Grauverlaufsfiltern beim Fotografieren reduziert sich der spätere Bearbeitungsaufwand deutlich, sodass ich für die meisten Fotos nicht länger als 5-10 Minuten benötige. Bei der Bildbearbeitung führe ich meistens folgende Schritte durch:

  1. Foto in Camera Raw oder Digital Photo Professional vorbereiten (Belichtung, Farbtemperatur, Farbton)
  2. Automatische Objektivkorrektur (Verzerrungen korrigieren, Horizont begradigen)
  3. Auschnitt wählen
  4. Tiefen und Lichter
  5. Tonwertkorrektur
  6. Gradationskurven
  7. Farbsättigung/Dynamik
  8. Verkleinern und Schärfen

Viele dieser Schritte wende ich lokal nur auf ausgewählte Bereiche des Fotos an. Es ist zum Beispiel ratsam eine eigene Gradationskurve für den Vordergrund und den Himmel anzulegen. Für das Schärfen und Verkleinern verwende ich eine spezielle mehrstufige Methode, um eine optimale Qualität zu erhalten.


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